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KonSens

Originaltext

Was ist Konsens?

Konsens ist eine demokratische Methode zum Entscheiden in Gruppen. Die Ideen und Anmerkungen Aller werden gesammelt und aus ihnen wird eine Entscheidung herausgearbeitet, die von allen akzeptiert wird.

Konsens und Abstimmung

Abstimmung als Methode heisst: Aus mehreren Möglichkeiten eine einzelne auswählen. Konsens dagegen ist ein Prozess, bei dem man aus verschiedenen Elementen eine Synthese bildet. Beim Abstimmen und Wählen geht man davon aus, dass die Leute mit ihren Meinungen gegeneinander stehen und Einigung höchstens in Form von Kompromissen stattfinden kann. Hinter dem Konsensgedanken steht die Auffassung, dass die Menschen eine Einigung finden wollen und dass Konflikte und Meinungsunterschiede in kreative und intelligente Lösungen verwandelt werden können. Für das Finden eines Konsens ist die Beteiligung Aller wichtig, beim Sprechen wie beim Zuhören. Keine Idee soll verloren gehen, jede Meinung ist gleich wertvoll und kann zur Entscheidung beitragen. Gefühle sind genau so wichtig wie Fakten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Es kann sein, dass die Einsichten und Überzeugungen einer Person die gesamte Gruppe mitreissen, aber im Entscheidungsfindungsprozess sollten alle gleichberechtigt sein.

Der Prozess, einen Konsens zu finden

Fundamental für das Konsensfinden ist, dass Alle das Recht haben, sich frei und mit den eigenen Worten zu äußern. Das bringt die Aufgabe mit sich, drauf zu achten, dass jeder sprechen kann und gehört wird. In unserer Gesellschaft haben wir meist nicht viel gelernt, was uns dabei hilft; oft müssen wir uns von angewöhnten Verhaltensweisen trennen, wenn wir einen guten Konsensprozess erreichen wollen.

Konsens heisst nicht, dass jeder die getroffene Entscheidung für super effektiv halten muss oder dass man glaubt, so funzt es auf alle Fälle. Es heisst aber, dass wenn man zu ner Entscheidung kommt, keiner das Gefühl haben soll, seine/ihre Meinung wurde nicht genügend berücksichtigt. Wenn's ideal läuft, findet jeder die Entscheidung richtig gut, das passiert auch öfter weil, wenn das Konsensfinden richtig angegangen wird, die kollektive Intelligenz Lösungen findet, die einem Einzelnen nicht eingefallen wären.

Im Folgenden werde ich den Ablauf des Konsens-Findens umreissen, also den Prozess, in dem eine Gruppe zu einer Einigung kommt, wie man handelt. Zuerst sollte ein Thema benannt werden. Es kann ne Zeit dauern, bis die Gruppe sich geeinigt hat, was eigentlich bearbeitet werden soll. Dann kann über dieses Thema diskutiert werden, so dass die Gruppe auf einen Vorschlag oder eine Lösung hinarbeiten kann. Der häufigste Fehler ist, dass zu früh Vorschläge gemacht werden, nämlich noch bevor die Gruppe Zeit hatte, über das Thema zu diskutieren. Werkzeuge, die eine Gruppe für eine erste Diskussion benutzen kann, sind zb. Brainstorms, Redestab (Runden), oder ein Austausch in Kleingruppen. Sobald die Gruppe ein bestimmtes Thema bearbeitet hat, kann ein Vorschlag gemacht werden, der die verschiedenen Gefühle und Ansichten aufnimmt. Er soll so präzise wie möglich formuliert werden. Dann findet eine Diskussion statt, in der er berichtigt oder modifiziert wird. Während dieser Phase der Diskussion ist es wichtig, Meinungsverschiedenheiten klar auszusprechen. Wer Schwierigkeiten mit dem Vorschlag hat, sollte Alternativen anbieten, in denen die Wünsche der Anderen berücksichtigt werden. Sobald ein Vorschlag von Allen verstanden und akzeptiert ist, und keine Änderungen mehr gewünscht werden, fragt jemand (üblicherweise der Moderator), ob es noch Einwände oder Bedenken gibt. Es ist sinnvoll, daraufhin eine Redepause zu machen, damit sich niemand hinterher überfahren fühlt. Wenn es keinen Widerspruch gibt, wird gefragt "Haben wir einen Konsens?" Alle Gruppenmitglieder sollten dann aktiv und sichtbar ihre Zustimmung ausdrücken, und die anderen Mitglieder der Gruppe beachten. Ist ein Konsens erreicht, sollte die Entscheidung klar fixiert werden, damit jeder überprüfen kann, was genau entschieden wurde. Bevor das Thema gewechselt wird, sollte sich die Gruppe darauf einigen, wer es übernimmt, die Entscheidung umzusetzen.

Schwierigkeiten beim Erreichen eines Konsens

Wenn genügend diskutiert wurde und alle in gleicher Weise beteiligt waren, sollte keine Gruppenentscheidung zustande kommen, die nicht von jedem akzeptiert werden könnte. Aber wegen der grundsätzlichen Bedeutung einer Entscheidung, äußerer Bedingungen, oder dem Ablauf des Geschehens könnte deine Gruppe kurz davor stehen, eine Entscheidung zu treffen, die du nicht gutheissen kannst. Du hast mehrere Möglichkeiten, Widerspruch zu äußern:

Falls ein Konsens blockiert wurde und kein neuer Konsens erreicht wurde, bleibt die Gruppe auf dem vorherigen Stand, jedenfalls trifft sie keine anwendbare Entscheidung. Auch wenn Leute Vorbehalte oder Nicht-Unterstützung ausdrücken, oder der Gruppe zeitweise fernbleiben, blockieren sie unter Umständen eine Entscheidung zwar nicht direkt, aber verhindern trotzdem, dass ein echter Konsens zustande kommt. So ein "lauwarmer" Konsens ist so wenig erstrebenswert wie ein lauwarmes Bad oder ein lauwarmes Bier. Grundsätzliche philosophische oder moralische Fragen sollten daher bereits diskutiert werden, sobald sich eine Gruppe gebildet hat. Für auf Konsens bedachte Gruppen sind Diskussionen über Ethik und über langfristige Ziele genau so wichtig wie die Vorbereitung von Aktionen, sie werden zu oft mit dem Argument der "Zeitknappheit" vom Tisch gewischt. Vetos und Blockaden treten erfahrungsgemäß selten auf, wenn die Gruppe gründlich diskutiert hat.

Moderator/Gesprächsleiter/in

Ein Moderator hat die Aufgabe, der Gruppe dabei zu helfen, die gewünschten Tagesordnung zu behandeln. Moderatoren sollten darauf achten, dass Alle die gleiche Möglichkeit zum Sprechen haben, dass stille Menschen die Chance zum Reden und Vielredner die Chance zum Zuhören bekommen. Die Moderatorin sollte beobachten, ob ein Gespräch sich einem Punkt nähert, an dem ein Vorschlag gemacht werden kann. Er/Sie fragt dann nach einem Vorschlag oder bietet selbst einen an, und führt - falls erfordelich, nach weiterer Diskussion,- die Gruppe dann wie oben beschrieben durch den Konsensprozess. Moderatoren sollten ihre Position nicht verwenden, um "Lösungen" anzubieten, denn Lösungen sollten in der Gruppe entstehen. Wer energisch seine Ansichten zu einem bestimmten Thema verfechtet, sollte es nicht moderieren. Wenn es sinnvoll scheint, etwas in den Hintergund zu treten, kann der Moderator seine Funktion zeitweise abgeben. Eine Gruppe sollte sich nicht auf den Moderator stützen, um Probleme im Gruppenprozess zu lösen, aber er sollte bereit sein, Verfahrensvorschläge zu machen. Sehr große Gruppen sollten zwei oder mehr Moderatoren haben.

Stimmungs-Beobachter/in

Stimmungsbeobachter/innen sind nützlich in Grossgruppen, wo die Leute sich nicht gut kennen. Ihr Job ist, sich den emotionalen Zustand der Gruppe reinzuziehen: Anspannung, Langeweile, Heiterkeit usw.. Stimmungsbeobachter/innen können zb ein Spiel vorschlagen, oder mal dat Licht anmachen, Fenster aufmachen, oder Gruppenknuddeln vorschlagen (Anm. Oh, die Amis mal wieder Augenroll) Manchmal bringt es schon was, wenn jemand einfach mal unterschwellig gärende Emotionen, die den Konsensprozess zu beeinflussen scheinen, beim Namen nennt. Sie könnten die Gruppe aufmerksam machen, wenn Ärger oder Besorgnis ignoriert zu werden droht oder Leute in einen Dialog verstrickt sind, der eigentlich nur sie beide etwas angeht. Stimmungsbeobachter/innen spielen auch die Rolle von "Torwächter/innen" , die sich darum kümmern, wenn Störungen von außen kommen.

Timekeeper = ? ... "Auf-die-Uhr-Gucker/in"

Ein/e auf-die-Uhr-Gucker/in hält die Gruppe auf dem Laufenden, wieviel Zeit man noch hat, zb wenn die Zeit schon halb rum ist, und fragt ggf. nach ob man sich mehr Zeit für dein Thema nehmen möchte. Auf-die-Uhr-Gucker sollten die Leute vorher fragen, ob sie Zeitlimits haben wollen (zb bei Brainstorms), oder ob jeder ne gewisse Redezeit haben sollte. Wenn die Auffe-Uhr-Gucker selber reden wollen, sollten sie sicherstellen, dass solang jemand anders für sie auf die Uhr guckt. (Anm: Für Online-Diskussionen wohl recht unnötig)

Protokollführer/in - Notizenmacher/in

Sie versuchen, Schlüsselpunkte der Diskussionen und Konsensentscheidungen der Gruppe feszuhalten; ausserdem schreiben sie auf, wer welche Aufgabe übernommen hat und was vertagt wurde. Die Gruppe sollte durch diese Notizen eine Art Richtungsweisung fürs nächste Treffen haben. Sie können auch hilfreich sein, um die Gruppe an Schlüsselpunkte der Diskussion zu erinnern, wenn es Probleme gibt Vorschläge zu formulieren.

Es ist wichtig, dass jedes Gruppenmitlied mal versucht, zu moderieren, die Stimmung zu beobachten, auf die Zeit zu achten und Notizen zu machen. Das Aufteilen der Verantwortung wirkt einem Machtgefälle in der Gruppe entgegen und erleichtert die Konsensfindung.

Die Entscheidungsfindung während Aktionen

Oft nehmen Konsensprozesse viel Zeit in Anspruch. Darum ist es wichtig, dass Gruppen ihre wichtigsten Entscheidungen treffen, bevor sie zu einer Aktion (zb Demo..) gehen. Diskutiert vorher solche Dinge wie: Was machen wir, wenn ein Provokateur/Zivilbulle in unsere Gruppe einbricht oder in unserer Nähe agiert? Wie lange wollen wir vor Ort sein? Wie reagieren wir auf Polizeitaktiken, die uns von dem Aktionsort fernhalten sollen? Es ist hilfreich, eigene Aktionsziele abzustecken. Allgemeine Vorhaben wie "Unsere Gruppe geht in erster Linie dahin, wo viele Leute gebraucht werden" oder "Wir wollen Flugblätter verteilen" oder "Wir wollen aktiv Widerstand leisten" erleichtern Entscheidungen unter stressigen und sich verändernden Umständen. Bereitet euch auf unvorhergesehene Umstände vor, indem ihr eine/n Sprecher/in auswählt und einen Moderator/in für die Gruppe bei kurzfristigen Entscheidungen während der Aktion. Die Sprecher/in ist dafür verantwortlich, die Entscheidungen der Gruppe zb auf dem Aktionsrat zu vertreten; die Aufgabe des/der Moderator/in ist es, schnell Dinge auf den Punkt zu bringen, ein Problem zu benennen, das diskutiert werden soll und die Punkte rauszuhalten, über die es schon eine Einigung gegeben hat. Wenn schnelles Handeln gefragt ist, liegt es in der Verantwortung von Allen in der Gruppe, die Diskussion aufs Minimum zu reduzieren. Wenn das, was du sagen wolltest, schon von jemand anderem gesagt wurde, sag es nicht nochmal. Ein ruhiger Angang und der Wunsch schnell zu einer Einigung zu kommen sind hilfreich. Starkes Protestieren sollte auf prinzipielle Angelegenheiten beschränkt bleiben.

Werkzeuge für Konsensprozesse

"Blitzlicht"

Sinnvoll für Vorstellungsrunden/Eröffnungen. Ausser dem Namen kann man sagen, wie es einem geht (ängstlich, müde, in Blödelstimmung...) oder was man sich vom Treffen erwartet (bestimmte Entscheidungen, nicht länger als..). Eine Gruppe kann ihre Tagesordnung gegebenenfalls der Stimmung oder den Bedürfnissen anpassen, die im Blitzlicht deutlich werden.

Runden/Redestab

Jeder bekommt eine gewisse Zeit, um über ein bestimmtes Thema zu sprechen, ohne andere Beiträge kommentieren zu müssen oder die eigenen rechtfertigen zu müssen. Das hilft am Anfang der Diskussion über ein Thema, oder dann wenn nur wenige Leute sich beteiligen, oder wenn die Gruppe feststeckt und keine praktikable Lösung sich auftut.

Brainstorms

Eine kurze Zeitspanne, in der die Leute einfach Vorschläge, Sorgen, Ideen in beliebiger Reihenfolge in den Raum werfen. Das hilft, viele Ideen in kurzer Zeit zusammenzukriegen und stimuliert das kreative Denken. Während des Brainstorms sollte nicht diskutiert, argumentiert oder gewertet werden. Jemand kann die Brainstorm-Ideen auf Zettel oder auf ein großes Papier schreiben, so dass alle sie hinterher lesen können.

Kleingruppen

Noch mehr?

Jaja.. gg is aber fast zu Ende jetzt.