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Karin E.J. Kolland "Intuitives Reiki nach Sensei Mikaomi"
3 Bände, 1. - 3. Grad
Alles in allem ist der Ansatz von E.J. Kolland sehr "lichtig" und sehr westlich. Zum Glück ist sie (im Gegensatz zu anderen westlichen Reiki-Dogmatikern) was das praktische angeht, sehr offen und kreativ. Man kann sich vor allem aus dem 2. Band viele spannende Techniken ziehen und spielerisch ausprobieren. Von daher ist meine klare Empfehlung zum 2. Grad oder auch später sich mit dem 2. Band zu beschäftigen. Das lohnt - die anderen beiden Bände sind - naja, ähm "different" wie der Amerikaner sagt. *gg*
Band 1 erklärt in diesem Sinne erstmal, was Reiki ist, die Lebensregeln und die Eigen- sowie die Fremdbehandlung. Mitgeliefert wird ein großes Übersichtsblatt mit sämtlichen, hier im Western tradierten Handpositionen. Das alles vor dem Hintergrund von Karin E. J. Kollands spezifischem Zugang zu Reiki. Sie sagt ganz klar, daß sie einen Ansatz vertritt, den sie für den hiesigen Kulturkreis entwickelt hat. Die meisten Techniken aus dem japanischen - also auch von Usui und Hayashi überlieferte Techniken - fallen hier ganz bewußt unter den Tisch. Anstelle dessen wird Reiki eingebunden in ein Weltbild, was auf einer wilden Mischung von New Age - Lehren, Lichtarbeitertum und angestaubtem Katholizismus gründet. Dieser erste Band des "intuitiven Reikis" ist neben diesem sehr speziellen Weltbild für meinen Geschmack auch etwas arg betulich geschrieben.
Band 2 ist der eigentlich "kreative" Band. Karin E.J. Kolland erklärt die Symbole, die man mit dem 2. Grad erhält, sowie eine Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten. Hier kann man so richtig loslegen und neues ausprobieren. Auch wenn man ganz anders unterwegs ist als E.J. Kolland, bietet sie durch ihren undogmatischen praktischen Ansatz eine Fülle von Anregungen für einen entspannten Umgang mit Reiki.
Band 3 für den Meistergrad ist dem Reiki-Meister-sein gewidmet. Äußerst pathetisch wird hier das Bild vom allzeit vorbildlichen Reiki-Meister auf dem Pfade der spirituellen Hochentwicklung gezeichnet. Wie im ersten Band lassen sich die Wurzeln von Kollands Vorstellungen im New Age, in der Licht & Liebe-Esoterik wie auch im vorkonziliären Katholizismus finden. Ganz wichtig ist in diesem Weltbild die hierarchische Entwicklung im Streben nach "Meisterschaft" und "spiritueller Entwicklung" - Karin E.J. Kolland gibt hier regelrecht eine Handreichung für den "Meister" auf dem Weg zum "besseren Menschen". Wer sich daraus dann die Legitimation zum "spirituellen Lehrer" für jedermann (der nicht bei drei auf dem Baum ist) nimmt, ist auf dem besten Wege zum moralinen Lichtmissionar. Unerträglich.
Fazit: Kollands Zugang zu Reiki ist wegen seinem Mut zur Eigenständigkeit prima - aber das Weltbild und die Haltungen, die daraus resultieren, sind in ihrer Hierarchik und ihrem lichtigen Pathos ganz schwer verdaulich. Ich empfehle, Band 2 mal anzutesten und den Rest zu vergessen...
Thuja