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Frater VD: Schule der hohen Magie

Rezi von Distelfliege

Frater VD hat eine recht psychologische Art, zu erklären wie Magie funktioniert. Das ist auch nicht schlecht, immerhin passt es zu unserem heutigen Denken. Da werden Phänomene eben nicht mit Geistern oder Gottes Willen - eben religiösen Weltbildern erklärt, sondern damit die Leut' von heut' etwas seriös finden, muss schon ne gängige moderne Wissenschaft ran.

Die Übungen sind anfangs darauf ausgelegt, Imagination, Willen und Fähigkeit zur Trance zu schulen. Der V.D. kann ganz gut - verständlich und schnörkellos erklären, was wozu gut ist. Man braucht also nicht auf gut Glück Rituale runterzuüben, ohne zu wissen, was das für einen Sinn und Zweck haben soll.

Für ChristentumsphobikerInnen allerdings eine kleine Vorwarnung: Der Autor kommt aus der zeremonialmagischen Hermetiker-Ecke, und diese fuhrwerken ordentlich mit (Rosen-)Kreuzen, Engeln, Gottesnamen, noch mehr Kreuzen und hebräisch herum. Und er rät, die Übungen trotzdem nicht umzuformen, falls man halt keine christlichen Symbole verwenden mag: "Immerhin sollte man sich als Magier stets auch mit solchen weltanschaulichen (Symbol-) Systemen auseinandersetzen, die einem fremd, unverständlich oder gar zuwider sind - daraus lernt man oft am meisten und setzt entsprechende magische Energien frei."

Was mir an diesem Buch gut gefällt, ist, daß es greifbare Übungen enthält. Viele Magie-Bücher muten so an, als würde man sich in eine Ecke setzen und sich dort irgendwo ins Wolkenkuckucksheim träumen, am besten man macht auch alles rein geistig und fasst bloss nie was an, ist eh am coolsten, so a la "hohle Hand" - gell. Im Gegensatz zu den ganzen Vorurteilen - daß je höher die Magie, umso weniger konkret das Ritual, umso mehr wird alles nur noch "in Gedanken" gemacht - gehts bei diesem Kurs schon heftig zur Sache, daß der Körper erzittert und die Luft wechbleibt.

(Ich in meiner Faulheit habe den Kurs aber nicht durchgezogen. Falls das wer schon gemacht hat, bitte ergänze doch diese Rezension!)

Aber auch wenn man stinkend faul ist, so wie ich, bringt das Buch Magie-theoretisch etwas, weil halt zwischen den ganzen praktischen Anleitungen auch eine Menge grundlegende Theorie gewälzt wird, die man sich ansonsten aus vielen Büchern (oder Forendiskussionen) zusammenpicken müsste. Ja, irgendwie kommts mir sogar vor, als ob ich vieles, was z.b. übers Visualisieren da steht, schon mal in Foren gelesen habe - wenn wer wissen wollte, wie man mit Problemen dabei umgeht etc.

Ich denke, auch für Leute, die nicht der westlichen hermetischen Magietradition folgen wollen, enthält das Buch grundlegende Übungen die ihnen etwas nützen. Die "Schule der hohen Magie" heisst nicht so, weil diese spezielle Tradition etwas Besseres ist wie andere Richtungen. Hohe Magie wird im Unterschied zu "niederer Magie" dort so definiert, daß sie der Selbsterkenntnis und der eigenen spirituellen Entwicklung dient, während "niedere Magie" dem Alltagserfolg dient, zb. Geldzauber, usw. Das Buch ist für Beides geeignet. Ursprünglich hiess der Text "Kursus der praktischen Magie" (nix mit hoch oder niedrig), was ihm gerechter wird. -_ Übrigens heisst es vom "Kursus der praktischen Magie" daß dies ein sehr überteuertes Buch sei. (Kosten bis an die 1000 Euro) - es ist aber gar kein Buch. Es ist ein Kurs mit Lehrheften, und enthält übers Jahr verteilte Seminare, die in dem Preis mit drin sind. Die "Schule der hohen Magie" sind quasi diese überarbeiteten Lehrhefte, nur eben ohne das Recht an praktischen Seminaren teilzunehmen.

Der Autor hängt auch der chaosmagischen Ansicht an, daß der Glaube nur ein Werkzeug ist, d.h. daß Magiebetreibende ihren Glauben/ihr Weltbild umbauen können und sollen, um in dem jeweiligen Weltbild die Dinge zu erwirken, zu denen das Weltbild am besten passt. Entsprechend ist es auch unerheblich für erfolgreiche Magie, ob man z.b. Wesenheiten/Geister/Götter als real existent ansieht oder als innerpsychische Kräfte. Man sollte halt von der Sichtweise ausgehen, mit der man selbst am besten arbeiten kann.

Nicht zu kurz kommen auch Traumarbeit, Sigillen, Wahrnehmungsübungen, Trance, Geldzauber, Amulette.. und - für mich persönlich weniger interessant - Abhandlungen über Hermetiker-Paraphernalia wie z.b. Roben, Kutten und Sandalen..

Fazit: Auch jenseits von kleinem und großem Pentagramm- und Hexagrammritual ein lesenswertes Buch.

Distelfliege

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